Verhaltensbiologin: »Nordamerikanische Wölfe sind etwas entspannter«

Friederike Range hat mehrere Wölfe mit der Nuckelflasche großgezogen. Hier erklärt die Biologin, wie sich diese Tiere von Hunden unterscheiden und warum sie bei Experimenten gut mitmachen.

verhaltensbiologin: »nordamerikanische wölfe sind etwas entspannter«

Verhaltensbiologin: »Nordamerikanische Wölfe sind etwas entspannter«

Dein SPIEGEL: Sie ziehen Ihre Wölfe mit der Hand auf. Wie läuft das genau ab?

Range: Wir holen die Welpen aus Zoos, wenn sie ungefähr zehn bis zwölf Tage alt sind. In diesem Zeitraum sind ihre Augen noch geschlossen. Die öffnen sich erst nach etwa 14 Tagen. Diese frühe Phase ist wichtig, damit die Tiere Vertrauen zu uns aufbauen. Später klappt das nicht mehr beim Wolf – anders als beim Hund. Über vier bis fünf Monate sind wir dann rund um die Uhr mit den Wölfen zusammen: Wir füttern sie mit einer Flasche, schlafen bei den Tieren, bringen ihnen früh bei, Sitz zu machen und an der Leine zu gehen.

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Dein SPIEGEL: Haben Sie keine Angst?

Range: Nein. Die Beziehungen, die wir mit den Wölfen aufbauen, sind den Tieren sehr wichtig. Dieses Vertrauen setzen die nicht einfach aufs Spiel. Wenn sie keine Lust mehr haben, geben sie uns das zu verstehen. Zwar gab es die eine oder andere brenzlige Situation mit außenstehenden Personen. Aber dann haben wir uns dazwischengestellt, und das Tier hat das akzeptiert.

Dein SPIEGEL: Sie arbeiten mit nordamerikanischen Wölfen. Warum nicht mit europäischen?

Range: In weiten Teilen Europas ist der Wolf fast bis zur Ausrottung gejagt worden. In Alaska und Kanada war das nicht so. Nordamerikanische Wölfe sind daher etwas entspannter. Diese Tiere verhalten sich wahrscheinlich eher so wie ihre Vorfahren, die sich vor vielen, vielen Jahren den Menschen annäherten. Das ist für unsere Forschung interessant. Denn wir wollen herausfinden, wie sich das Verhältnis von Mensch, Wolf und Hund über die Jahrtausende entwickelte.

Dein SPIEGEL: Welche Hunde wählen Sie dafür aus?

Range: Wir haben hier bewusst keine Rassehunde. Wir arbeiten vor allem mit Mischlingen, die wir aus osteuropäischen Tierheimen bekommen. Die sind den ersten Hunden sicherlich ähnlicher.

Dein SPIEGEL: Können Sie ein Experiment beschreiben, das Sie mit den Tieren machen?

Range: Wir haben zum Beispiel mehrere Futter-­Apparate gebaut, an denen zwei Tiere oder ein Tier und ein Mensch zusammenarbeiten müssen: Beide Versuchsteilnehmer ziehen jeweils an einem Ende des Seils, um an das Futter heranzukommen. Zieht nur einer, rutscht das Seil aus der Öse, und das Spiel ist vorbei.

Dein SPIEGEL: Was haben Sie dabei beobachtet?

Range: Wölfe arbeiten sehr gut miteinander. Hunde tun sich in diesem Experiment dagegen schwer, mit einem Artgenossen an das Futter zu gelangen. Ist der Partner ein Mensch, sind sowohl Wolf als auch Hund erfolgreich. Die Einstellung zum Menschen ist aber unterschiedlich: Wolf und Mensch arbeiten auf Augenhöhe zusammen. Der Hund denkt sich eher: Sag mir, was ich machen soll.

Dein SPIEGEL: Welche Rückschlüsse ziehen Sie daraus?

Range: Wir sehen, wie sich der Hund vom Wolf entfernt hat. Der Hund ist besser darin, Regeln zu folgen und unsere Führung zu akzeptieren. Und auch das Verhältnis zu den Artgenossen hat sich geändert: Hunde sind nicht auf andere Hunde angewiesen. Das sehen wir auch bei frei lebenden Hunden, die wir etwa in Marokko beobachten. Da bauen die Weibchen ihre Wurfhöhle einfach neben Abfalleimern. Dort findet die Hündin immer genug zu fressen, sodass sie die Welpen allein aufziehen kann. Wölfe dagegen sind Familientiere. Sie jagen zusammen und unterstützen sich gegenseitig bei der Welpen-Aufzucht.

Dein SPIEGEL: Manche Forschende glauben, dass sich der Hund aus einigen Wolfswelpen entwickelte, die Steinzeitmenschen in ihr Dorf holten. Was halten Sie von dieser Idee?

Range: Aus unseren Erfahrungen wissen wir, dass Mensch und Wolf zwar eine respektvolle Beziehung zueinander aufbauen können, wenn man sich sehr früh um die Welpen kümmert. Aber die Menschen hatten damals sicherlich nicht so viel Zeit wie unsere Trainer. Und nur weil ein Wolf zu einem Menschen Vertrauen aufgebaut hat, gilt das noch lange nicht für andere Menschen. Es war vielleicht ein Prozess: Einige Menschen holten für ein paar Monate Wolfswelpen zu sich und jagten die Tiere wieder fort oder töteten sie, wenn sie aggressiv waren. Die Weggejagten blieben in der Nähe und bekamen hin und wieder etwas zu fressen. Dann wurden wieder Welpen von diesen Tieren geholt und so weiter, bis sich die ersten Hunde entwickelten.

Dein SPIEGEL: Haben Sie Lieblinge unter den Tieren, mit denen Sie zusammenarbeiten?

Range: Ja, die sind aber leider beide schon tot. Kaspar war einer von unseren allerersten Wölfen. Ein schwieriger Bursche. Aber wir haben uns immer gut verstanden. Und dann war da noch Yukon, die sich gerne streicheln ließ. Da weiß man, wo der Schoßhund herkommt.

Dieses Interview erschien in »Dein SPIEGEL« 7/2024.

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