Asiens vergessener Krieg: Wo Russlands Kampfjets Tod und Zerstörung bringen

Bürgerkrieg in Myanmar

Asiens vergessener Krieg: Wo Russlands Kampfjets Tod und Zerstörung bringen

asiens vergessener krieg: wo russlands kampfjets tod und zerstörung bringen

Rebellen im Norden von Myanmar

Myanmars Generäle führen einen blutigen Feldzug gegen die eigene Bevölkerung. Russland unterstützt sie mit Waffen – und erhält dafür Rückendeckung im Ukraine-Krieg.

Der Tod kam aus der Luft. Erst kreisten russische Kampfflugzeuge vom Typ Jak-130 über Tigyaing, dann fielen lasergestützte KAB-500-Präzisionsbomben vom Himmel. Fast nichts sei übrig geblieben von dem Ort, „viele Menschen sind ums Leben gekommen“, erzählte ein Anwohner Anfang des Jahres dem Exilmedium The Irrawaddy. „Tigyaing hat sich in ein Feld aus Asche oder einen Friedhof verwandelt.“

Die kleine Ortschaft liegt nicht in der Ukraine, sondern rund 6000 Kilometer südöstlich von Kiew – im Norden von Myanmar.

Militärgerät aus Putins Russland „auf die schrecklichste Weise eingesetzt“

Auch hier bringen Waffen aus Russland seit Jahren Tod und Zerstörung. Russisches Militärgerät werde „auf die schrecklichste Weise eingesetzt“, sagte Tom Andrews, der UN-Sonderberichterstatter für Myanmar, vor Kurzem im Interview mit Voice of Asia. „Das ist eine Tragödie, das ist ein Grauen.“ Erst Anfang Mai kamen bei einem Luftangriff auf ein buddhistisches Kloster mindestens 16 Menschen ums Leben – gut möglich, dass auch hier russische Kampfjets im Einsatz waren.

Seit dem Militärputsch, der vor drei Jahren die demokratische Regierung um Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi gestürzt hat, herrscht ein blutiger Bürgerkrieg in Myanmar. Mehrere Rebellengruppen liefern sich heftige Gefechte mit den Regierungstruppen, vor allem in schwer zugänglichen Grenzgebieten, zunehmend aber auch in größeren Städten. Mehr als 5100 Menschen sind nach Angaben der Exilorganisation AAPP bereits ums Leben gekommen, Tausende wurden verhaftet. Die Vereinten Nationen schätzten zuletzt, dass rund 2,8 Millionen Menschen zu Vertriebenen im eigenen Land geworden sind.

Myanmars Generäle vor „nie dagewesenen Herausforderungen“ – Russland „wichtiger Lieferant“

Seit einem guten halben Jahr mehren sich jedoch die Anzeichen, dass die Tage der Junta gezählt sein könnten. Im Oktober starteten mehrere Rebellengruppen eine Offensive gegen die Generäle. Aufständische kontrollieren laut Angaben der Nationalen Einheitsregierung, einer Exilorganisation, heute 60 Prozent des Landes. „Die Militärdiktatur gerät zunehmend unter Druck, ihr Ende ist nah“, sagte Exil-Außenministerin Zin Mar Aung im Februar im Interview mit IPPEN.MEDIA.

Auch Richard Horsey, Myanmar-Experte bei der US-Denkfabrik Crisis Group, sieht das Militär vor „nie dagewesenen Herausforderungen“. Das bedeute aber nicht zwangsläufig das Ende des Regimes, weil dessen Gegner „kein Interesse haben, die Macht zu übernehmen“, sagt Horsey IPPEN.MEDIA. „Sie wollen die Kontrolle über ihre Heimatregionen übernehmen, sie verteidigen und verwalten.“ Die Junta wehrt sich gegen die Aufständischen mit aller Macht. Myanmars Militär, die Tatmadaw, fliegt fast täglich Luftangriffe gegen die Rebellengebiete, wirft Bomben auf Dörfer und feuert mit Granatwerfern auf Zivilisten. Laut Human Rights Watch kamen alleine bei einem Luftangriff auf einen Ort im Norden von Myanmar im April 2023 mehr als 160 Zivilisten ums Leben.

Die meisten Waffen der Junta stammten aus eigener Produktion, sagt Horsey. „Russland ist aber ein wichtiger Lieferant von Hightech-Waffensystemen: von Hubschraubern und Kampfflugzeugen, Radaren, Mehrfachraketen und neuerdings auch Drohnen.“ Zudem unterstütze Russland die Junta bei der Wartung dieser Systeme.

China wendet sich von Myanmar ab – und Russland springt ein

Über Jahre war Peking der wichtigste Verbündete der Militärjunta: Myanmar ist Partner der Neuen Seidenstraße, Chinas globalem Infrastrukturprogramm. Doch seit der Bürgerkrieg auch an die Grenzen zur Volksrepublik herangerückt ist, geht Peking vorsichtig auf Distanz zu den Generälen. Heute ist Moskau der wichtigste Partner für das Regime. Nach dem Putsch war Russland das einzige große Land, das die Militärregierung offiziell anerkannte, zum Dank unterstützte die Junta als einziges Mitglied des südostasiatischen Staatenbunds Asean den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Als sich Russlands Präsident Wladimir Putin Mitte März eine weitere Amtszeit sicherte, war Junta-General Min Aung Hlaing einer der ersten, der Glückwünsche in Richtung Kreml sandte.

Mehr als 50 „Veranstaltungen im Rahmen der bilateralen militärischen Zusammenarbeit“ seien für 2024 geplant, sagte der stellvertretende russische Verteidigungsminister Alexander Fomin Ende März nach Gesprächen mit Min Aung Hlaing. „Darunter gegenseitige Besuche der Oberbefehlshaber der Teilstreitkräfte sowie gemeinsame Einsatz- und Gefechtsübungsprojekte.“ Myanmar besitze „die effizientesten Streitkräfte in der Region, ausgestattet mit modernen Waffen und militärischem Gerät“, lobte Fomin.

Das Friedensforschungsinstitut SIPRI schätzt, dass Russland zwischen der Machtübernahme des Regimes Anfang 2021 und dem Beginn des Ukraine-Kriegs gut ein Jahr später Militärgerät im Wert von 276 Millionen US-Dollar an die Junta geliefert hat. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass 2023 ein Viertel von Myanmars Staatshaushalts ins Militär floss; Waffen im Wert von einer Milliarde US-Dollar habe das Regime seit dem Coup von Russland und China gekauft.

Myanmar beliefert Russland im Ukraine-Krieg

Im Ukraine-Krieg hat sich die Junta nicht nur diplomatisch auf die Seite der Russen gestellt. Das Land verkauft offenbar auch Munition an Putin, Berichten zufolge hat Russland auf den Schlachtfeldern der Ukraine bereits 120-mm-Mörsergranaten aus myanmarischer Produktion verschossen. Auch soll Putins Militär optische Systeme für seine T-72-Kampfpanzer aus Myanmar beziehen.

„Vor allem aber dient Myanmar als Umschlagplatz für Waffenlieferungen anderer Länder an Russland“, sagt Horsey. Zudem verkaufe Russland große Mengen Rohöl über Myanmar weiter nach China. Abgewickelt wird der Handel zwischen Russland und Myanmar wohl in den beiden Landeswährungen Rubel und Kyat, denn beide Staaten sind mit Finanzsanktionen belegt. „Der Staatsstreich und der Einmarsch Russlands in der Ukraine haben diese beiden sanktionierten Parias diplomatisch einander näher gebracht“, sagt Horsey.

Ausgerechnet bei den Vereinten Nationen aber kann Russland nicht auf seinen asiatischen Verbündeten zählen. So stimmte Myanmar kurz nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine für eine Resolution, die den Abzug der Kreml-Truppen fordert. Denn Myanmars UN-Botschafter wurde noch vor dem Putsch von der damaligen Regierung nach New York entsandt – und hat seinen Posten bislang nicht verlassen, sehr zum Ärger der Russen.

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