„Golda – Israels eiserne Lady“ zeigt Israel im Krieg: Kommt der Film zu spät?

„golda – israels eiserne lady“ zeigt israel im krieg: kommt der film zu spät?

Golda Meir (Helen Mirren) in „Golda. Israels eiserne Lady“: In der Rahmenhandlung muss sich die Ministerpräsidentin dafür rechtfertigen, zu spät auf den Angriff arabischer Streitkräfte reagiert zu haben.

Als das Filmporträt über das Handeln der israelischen Ministerpräsidentin Golda Meir vor rund anderthalb Jahren seine Weltpremiere erlebte, war das internationale politische Gefüge noch ein anderes. Im Februar 2023 lief der Film in der Reihe Berlinale Special Gala bei den Filmfestspielen, Helen Mirren, die in der Hauptrolle geradezu erschütternd beeindruckt, lief auf dem Potsdamer Platz über den roten Teppich, und in den Gesprächen danach ging es um Geschichte.

Das werden auch die Zuschauerinnen und Zuschauer in den USA so empfunden haben, wo der Film am 25. August 2023 in die Kinos kam und ein paar Besserwisser fragten, ob eine Nichtjüdin wie Mirren die 1898 in Kiew geborene und in den USA aufgewachsene Jüdin Golda Meir spielen dürfe.

In Großbritannien und Irland hatte das Werk des israelischen Regisseurs Guy Nattiv mit dem 6. Oktober 2023 ein pikantes Startdatum: Im Film kann man sehen, wie Israel vom Jom-Kippur-Krieg von Ägypten, Syrien und weiteren arabischen Staaten am 6. Oktober 1973 überrascht wurde. Die Ministerpräsidentin wurde vom Geheimdienst zuvor mit nur Andeutungen versorgt, woraufhin sie zurückhaltend die Armeeführung informierte und auf eine Mobilmachung verzichtete. Am 7. Oktober 2023 zogen Terrorkommandos der islamistischen Hamas grausam mordend in Israel ein, ohne dass das Land vorbereitet war. Eine unheimliche Parallele.

„golda – israels eiserne lady“ zeigt israel im krieg: kommt der film zu spät?

Der israelische, in den USA lebende Regisseur Guy Nattiv und Dame Helen Mirren auf der Berlinale 2023.

Jetzt, da der Film deutschlandweit in den Kinos zu sehen ist, empfinden manche bereits den 7. Oktober 2023 als historisch-verblichenes Datum, so schmerzhaft deutlich ist die israelische Antwort mit den Angriffen auf Gaza. Das ist keine Angelegenheit des Nahen Ostens mehr, sondern ein Geschehen, das weltweit Reaktionen auslöst.

Wirkt da „Golda“, wie großartig Helen Mirren in ihrer Darstellung auch immer sein mag, nicht wie aus der Zeit gefallen? Ja und nein. Wobei man eigentlich das Nein mit einer Unterstreichung versehen sollte. Denn in der Tat – zuerst also zu den Argumenten für ein Ja – ist die Konzentration auf die wenigen, aber verlustreichen Kriegstage, gerahmt von einer Anhörung der Ministerpräsidentin vor der Agranat-Kommission in Jerusalem zur Aufarbeitung des Krieges, ein spannendes historisches Drama mit einer klaren Perspektive. Kampfszenen kommen nur akustisch vor, von der Politik anderer Länder erfährt man nur aus Gesprächen mit Golda Meir.

Der deutsche Titelzusatz „Israels eiserne Lady“ lässt ein Biopic vermuten. Davon kann keine Rede sein. Er ist aber insofern nicht falsch, als diese 75-jährige Frau in der Krise mehr Disziplin und Durchsetzungskraft besessen hat als mancher Mann aus ihrer Regierung. Rami Heuberger spielt einen während einer Fernsehansprache zuckenden, zitternden Verteidigungsminister Moshe Dayan. Golda Meir, also Helen Mirren, zeigt vor anderen noch nicht einmal Schwäche in den Szenen, da sie im Wochenrhythmus zur Bestrahlung ins Krankenhaus geführt wird: Die kettenrauchende Politikerin hatte zu der Zeit bereits Lymphdrüsenkrebs, in dessen Folge sie 1978 starb. Ihre Angst inszeniert Guy Nattiv als Solo für die Nächte. Einmal vervielfacht sie sich in Räumen mit schrillenden Telefonen, deren Hörer sie hastig abnimmt, ohne auch nur eine einzige Stimme zu hören. Die Metapher, eingesetzt nach einer Telefonkonferenz mit Offizieren, die von der Front nach Unterstützung schreien, lässt sich gut verstehen: Alle wollen Antworten von ihr, Golda.

Warum aber erscheint der Film, der innerhalb des durch die Anhörung gesetzten Rahmens chronologisch verläuft, der durch Einblendungen von Namen und Titeln der historischen Figuren und gelegentlich dazwischen geschnittenem Archivmaterial seinen Wahrheitsanspruch beglaubigt, heute wichtig und sinnvoll? Weil man hier sieht, wie Politik in der Krise gemacht werden kann. In „Golda“ ist zu verfolgen, wie ein Kabinett, das nicht vorbereitet ist auf die Extremsituation, sich neu organisiert. Die Ministerpräsidentin suchte das angegriffene Land auf dem heiklen Weg zurück zum Frieden zu führen – ohne zu viele Verluste und ohne die Souveränität Israels aufzugeben. Sie wählt unterschiedliche Mittel von Strenge bis zu Mutterwitz im Umgang mit den ihr weisungsuntergebenen Männern und dem Außenminister der USA Henry Kissinger.

Auf derselben Berlinale wie „Golda“ hatte der Dokumentarfilm „Superpower“ von Sean Penn und Aaron Kaufman seine Weltpremiere, der im Februar 2022 den Kriegsbeginn in der ukrainischen Hauptstadt begleitete, Präsident Wolodymyr Selenskyj mittendrin. Er wurde als Mahnung verstanden. „Golda“ zu sehen, kann helfen, die Fragilität des israelischen Staates damals und heute zu verstehen. Dieses Kunstwerk gibt der Kunst einer klugen Kriegführung – auch im Verteidigungsfall – eine Bühne. Nach der ersten Überrumpelung steht Israel vor der Chance, die 3. Ägyptische Armee zu zerschlagen. Wie viele Mitglieder sie habe, fragt Golda Meir. Etwa 30.000. „Dann würde ich ein Heer von Witwen und Waisen erzeugen.“ Ob sie bereit sei, das zu tun? „Die Welt muss glauben, dass ich es bin.“ Mit dieser gedachten Stärke hatte Israel Verhandlungsmacht. Dennoch sind zu viele Menschen gestorben. Damals und heute.

Golda. England, USA 2023. Regie: Guy Nattiv. Mit: Helen Mirren, Liev Schreiber, Camille Cottin. 101 Min., FSK ab 12.

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