Mario Adorf in Frankfurt: „Ich habe meinen Teufel geheilt“

mario adorf in frankfurt: „ich habe meinen teufel geheilt“

Mit 93 Jahren schaut Schauspieler Mario Adorf in Frankfurt auf eine lange und ungeheuer erfolgreiche Karriere.

Er hat seine Frau Monique mitgebracht, seine Tochter Stella, ebenfalls Schauspielerin, und weitere Familienangehörige sitzen in der ersten Reihe. Und die Frankfurter müssen es hinnehmen, dass Frankfurt in 70 Jahren Karriere nur „eine gewisse Rolle gespielt“ habe, wie Mario Adorf sagt. Immerhin: Er hat als Mainzer Student seine erste große Liebe in eines der damals angesagtesten Restaurants an der Frankfurter Kaiserstraße eingeladen und die 80 D-Mark, die er auf dem Bau verdient hatte, dafür ausgegeben.

Und er hat, als Mitglied der Boxstaffel der Mainzer Gutenberg-Universität, einen „Endkampf“ gegen Marburg an der Goethe-Universität bestritten, sogar am selben Tag, an dem er abends mit dem Studententheater in Mainz Premiere hatte. „Ich hatte mehr Erfolg auf den anderen Brettern“, sagt der Schauspieler, der auf 70 Jahre internationale Karriere zurückblicken kann. Das Studentenleben, mit dem er die Lücken, die eine Erziehung im Nationalsozialismus in der Bildung geschlagen habe, hatte schließen wollen, hat Adorf recht rasch für diese Karriere verlassen.

Das Foyer des Deutschen Filminstituts und Filmmuseums (DFF) Frankfurt ist nicht gerade klein. Aber es ist bis auf den allerletzten Platz, sogar seitlich und ohne Sicht auf die kleine Bühne besetzt. Im September wird Adorf, der vor genau 70 Jahren mit „08/15“ (1954), der Trilogie über eine Batterie Soldaten im Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg, seine internationale Karriere begonnen hatte, 94 Jahre alt.

Corona kam dazwischen

Die letzten Jahre seiner aktiven Laufbahn habe er sich anders vorgestellt, sagt er jetzt: Eine großes Filmprojekt mit Michael Caine ist nicht mehr gedreht worden, die Pandemie ist ihm in die Parade gefahren. Und auch das schon für 2020 angesetzte Frankfurter Gespräch mitsamt dem Film „Nachts, wenn der Teufel kam“ (1957), Mario Adorfs erster Hauptrolle, hat sage und schreibe um vier Jahre verschoben werden müssen.

Dem Interesse hat das keinen Abbruch getan, im Gegenteil. Die unverkennbare Stimme reicht für jene auf den hintersten Plätzen – als Adorf die Anekdote zum Besten gibt, wie Robert Siodmak, der aus Amerika zurückgekehrte Emigrant, der ihn als jungen Schauspieler in den Münchner Kammerspielen gesehen hatte und in seinem Film „Nachts, wenn der Teufel kam“ besetzen wollte, ihm mit aus Amerika mitgebrachtem Eisspray einen Muskelfaserriss therapierte, um zu verkünden: „Ich habe meinen Teufel geheilt!“, lacht das ganze Haus.

Siodmak, der aus dem Exil zurückgekehrte Altmeister, ist das eine. Dieter Wedel, mit dem Adorf in Serien wie „Der große Bellheim“ ungeheure Erfolge feierte und dessen Karriere unter Missbrauchsvorwürfen endete, das andere. Wahrscheinlich hätten Regisseure früher zu viel Macht gehabt und man habe sich das, auch aufgrund der Erziehung und der Umstände, anders gefallen lassen, mutmaßte Adorf.

Ohne Stuntman gedreht

Er selbst hatte nie Ambitionen, Filmregie zu führen. Im Theater hat er es zweimal probiert, mit viel Spaß. Aber den „Antagonismus“ zwischen Produzent und Regisseur im Film, das schätze er nicht: Kunst gegen Geld aufzurechnen – nein danke. Da hat er, weil es für seine kompakte Statur nie die richtigen Doubles gegeben habe, seine Stunts lieber selbst gedreht, auch unter Lebensgefahr. Das Pu­blikum ist hingerissen.

Solche glamourösen Abende, die eine Begegnung mit der Filmgeschichte erlauben, gibt es nicht oft und schon gar nicht solche, deren Hauptperson so unprätentiös und freimütig aus der langen Karriere plaudert. Das, so darf man mutmaßen, hat auch mit Adorfs gesegnetem Alter zu tun – er differenziert, aber er ist auch urteilsfreudig. So erfährt man, dass Regisseur Volker Schlöndorff die Besuche am Drehort von Autor Günter Grass wohl nicht so sehr geschätzt und den einzigen „heldischen Moment“ von Adorfs Figur Alfred Matzerath „rausgeschnitten“ habe. Dafür aber wurde Adorf von Grass zum Zeichnen ermutigt.

Marcello Mastroianni, mit dem er in Italien gearbeitet hat, sei „der sympathischste italienische Schauspieler, den ich kennengelernt habe“, Clint Eastwood wiederum hat er in Amerika als „unauffälligen Burschen“ erlebt, „der eine große Karriere gemacht hat, nicht als Schauspieler, als Regisseur“. Er selbst hätte beinahe in „Der Pate“ von Francis Ford Coppola gespielt – aber die winzige Rolle, die er hätte haben können, reichte ihm nicht, wie Adorf nun im Gespräch mit Urs Spoerri verriet, der sich als profunder Kenner auch der verwickeltsten filmgeschichtlichen Zusammenhänge empfahl.

Dass Coppola nicht der Einzige war, mit dem Adorf nicht ins Geschäft kam, dass er manches damals bereut haben mag, heute aber sehr gelassen auf die Vergangenheit und auf frühere Entscheidungen blickt, macht den Charme von Adorfs lokalem Gastspiel aus. Das zumindest der Region noch einen Ehrenplatz zuweist: Als Tiktok-Meme erschließt Adorf mit dem Satz „Ich scheiß dich sowas von zu mit meinem Geld“ neuerdings noch einmal ganz neue Publika. Jener Generaldirektor Heinrich Haffenloher, den Adorf in der Fernsehserie „Kir Royal“ 1986 diesen legendär gewordenen Satz sagen ließ, habe ein Vorbild, das aus der Nähe von Offenbach komme, verriet Adorf.

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