Max macht's wieder, aber: Was war in den letzten 15 Runden los?

max macht's wieder, aber: was war in den letzten 15 runden los?

Max Verstappen geriet in der Schlussphase mächtig unter Druck von Lando Norris

Es war der perfekte Sonntag für Max Verstappen: Sieg im Sim-Racing, Sieg in der Formel 1. Beide Siege bedeuten ihm bekanntlich gleich viel, doch für seinen 59. Karrieresieg in der Königsklasse musste er ungewöhnlich hart kämpfen. Grund dafür waren vor allem die harten Reifen, mit denen sein Red Bull RB20 überhaupt nicht zurechtkam.

max macht's wieder, aber: was war in den letzten 15 runden los?

Rundenzeiten Runde 43-63: Norris zieht das Tempo an, Verstappen kann nur bedingt gegenhalten

Helmut Marko erklärt unmittelbar nach dem Rennen gegenüber Sky: "Entscheidend war, dass wir mit den Medium-Reifen [zu Beginn] gut unterwegs waren und mit den harten Reifen langsamer als McLaren. Nach zwei, drei Runden ging die Temperatur runter und wir haben das Fenster nicht optimal getroffen."

Doch wieder bügelte der Max-Faktor alles weg, auch wenn es diesmal knapp wurde: "Unglaubliche Leistung von Max, der absolut fehlerfrei gefahren ist. Gottlob hatte Norris bei seiner Aufholjagd zwei, drei Wackler, sodass er nicht in die DRS-Zone kam."

Teamchef Christian Horner fügt hinzu: "Er stand massiv unter Druck und hatte schon drei Warnungen wegen Track Limits. Unter diesem Druck durfte er sich keinen Millimeter Fehler erlauben. Es war ein großartiger Job von Max, diesem Druck standzuhalten."

Verstappen: Unsicher, es überhaupt zu schaffen

Für Max Verstappen war die Situation noch dramatischer, wie er erklärt: "Zunächst einmal lief es auf den Mediums sehr gut. Diese Pace hatte ich nach dem, was wir bisher an diesem Wochenende gezeigt haben, nicht erwartet. Als ich dann auf die harten Reifen wechselte, hatte ich Zweifel, ob ich das bis zum Ende durchhalten würde."

"Nicht in den ersten zehn oder 15 Runden, aber danach schon. Die Reifen fielen aus dem Fenster und es fuhr sich wie auf Eis. Ich hatte viel plötzliches Übersteuern und man konnte spüren, dass die Reifen keinen Grip mehr hatten. In Kurve 7 bin ich an einem Punkt gefühlt bis auf die Tribüne rausgerutscht. Ich musste sehr seltsame Linien fahren."

Verstappen war schon völlig mit sich selbst beschäftigt. "Und dann hat Lando plötzlich Gas gegeben. Ich habe ihn kommen sehen und war mir nicht sicher, ob ich ihn hinter mir halten kann. Ich habe mit dem vorhandenen Grip so hart wie möglich gepusht. Zum Glück waren wir gerade noch rechtzeitig fertig."

Das Gefühl war alles andere als angenehm, aber er versuchte, sich auf sich selbst zu konzentrieren: "Irgendwann war er eine halbe Sekunde pro Runde schneller. Da dachte ich: 'Puh, das ist viel.' Aber man kann nichts dagegen tun, also habe ich einfach versucht, mein Tempo zu gehen."

"Man kann nicht einfach eine halbe Sekunde mehr aus dem Paket herausholen, wenn die Balance nicht stimmt. Ich habe einfach versucht, keine Fehler zu machen und die Balanceprobleme zu umfahren." Und das kann er bekanntlich sehr gut - eine Eigenschaft, die nicht viele Rennfahrer mitbringen.

Auch ein flacherer Heckflügel habe ihm geholfen, Norris auf Distanz zu halten: "Mit unserem Heckflügel waren wir auf den Geraden ziemlich schnell. Das hat mir in den letzten Runden geholfen, mich zu verteidigen."

So machte Norris es nochmal spannend

Eigentlich schien das Rennen bereits in Runde 43 gelaufen zu sein. Verstappen lag 7,542 Sekunden vor Norris. Größer sollte er nicht mehr werden. Norris lief seinerseits Gefahr, von Charles Leclerc eingeholt zu werden, der nur noch eine Sekunde hinter ihm lag.

Danach wendete sich das Blatt. Und in den letzten 15 Runden verringerte Norris den Abstand dramatisch. Im Schnitt fuhr er mehr als drei Zehntel pro Runde schneller als Verstappen, in der Spitze machte er mehr als eine Sekunde pro Runde gut. Auch Leclerc konnte nicht mehr mithalten.

Woher kam diese Leistungsexplosion? Der McLaren-Pilot erklärt: "Ich musste die Reifen vorsichtig anfahren und ins Fenster bringen. Hätte ich das nicht gemacht, wäre ich wie die anderen komplett eingebrochen." Das erklärt, warum er zunächst von Leclerc bedrängt wurde.

McLaren hatte bei der Abstimmung des Autos einen Fehler gemacht. Man hatte kühlere Temperaturen erwartet. Doch es war frühlingshaft warm mit 25 Grad Lufttemperatur. "Wenn ich das Rennen noch einmal fahren könnte, würde ich vier Umdrehungen Frontflügel rausnehmen", erklärt Norris. Bei seiner Aufholjagd am Ende hatte er mehrfach Übersteuern, vor allem im ersten Sektor.

Ärgerlich für ihn ist, dass seinen Angaben zufolge McLaren das Problem bekannt ist: "Wenn es wärmer ist und die Hinterreifen stärker verschleißen, dann haben wir mehr Probleme. Wir wissen das und hätten uns vielleicht besser darauf vorbereiten können, aber ich bin trotzdem mit dem Ergebnis zufrieden."

"Ich habe versucht, mein Rennen zu fahren. Das bedeutete, dass ich einige Runden lang etwas mehr Druck von Charles bekam, als mir lieb war. Aber als ich durch den Verkehr war und meinen Rhythmus wiedergefunden hatte, fühlte es sich gut an. Die Reifen kamen mir entgegen und ich konnte attackieren. Von da an war das Tempo unglaublich."

Teamchef Andrea Stella ergänzt: "Mit den Reifen war es nicht so einfach wie erwartet. Wir haben die harten Reifen am Anfang etwas geschont, während Oscar [Piastri] und Leclerc gegeneinander gekämpft haben. Diese anfängliche Investition hat sich am Ende des Rennens ausgezahlt. Er hatte die besten Reifen. Diese zu schonen, war neben der reinen Pace des Autos ein wichtiger Faktor, und Lando ist ein bisschen ein Meister darin."

Dass es für einen Angriff gereicht hätte, ist schwer zu sagen. "Ich habe alles gegeben" versichert Norris. "Ich habe aufgeholt und war dran, aber sobald man innerhalb von zwei Sekunden ist, verliert man Abtrieb und die Reifen überhitzen. Ich hatte ein paar Runden lang Probleme, bis ich verstanden habe, wie ich jetzt fahren muss."

Doch dann war es zu spät: "Ich habe um eine weitere Runde gebetet. Ich habe gebetet, dass mir jemand sagt: Noch eine Runde. Noch eine oder zwei Runden und ich hätte ihn wahrscheinlich gehabt." Doch dazu kam es nicht mehr, am Ende überquerte er die Ziellinie 0,725 Sekunden hinter dem amtierenden Weltmeister.

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