Eine japanische Kleinstadt sehnt sich nach Atommüll

eine japanische kleinstadt sehnt sich nach atommüll

In der japanischen Stadt Genkai gibt es ein Atomkraftwerk. Jetzt wird geprüft, ob hier auch ein Atommüllendlager entstehen soll.

Shintaro Wakiyama hat es dieser Tage nicht leicht. Der Bürgermeister von Genkai, einem Ort von kaum 6000 Einwohnern im Südwesten Japans, muss sich mit hohen Offiziellen aus Tokio herumschlagen. Die Vertreter des nationalen Industrieministeriums haben Wakiyama die letzten Tage wiederholt zu Gesprächen getroffen, denn sie haben etwas Großes vor: Aus Wakiyamas Heimat Genkai soll ein Atommüllendlager werden.

Was die Sache für den Bürgermeister noch komplizierter macht: Auch in Genkai selbst fordern Einwohner und Institutionen, dass ihre Gemeinde den radioaktiven Müll in Zukunft aufnehme: Her mit dem Atommüll. Zwischen Januar und März haben drei Gruppen – der Gastronomie- und Restaurantverband sowie der aus mehreren Bauunternehmen bestehende Rat für Katastrophenschutz – eine Petition eingereicht, die zum Ziel hat, dass Genkai als Standort geprüft werde. Ende April hat die Stadtversammlung die Petition angenommen. Die Prüfung läuft.

Japan: Der Atommüll muss 300 Meter tief in die Erde

Es ist das erste Mal, dass sich eine Stadt zu diesem Schritt bereiterklärt. Dabei gehört Bürgermeister Shintaro Wakiyama zu denjenigen, die diese Petition nicht unterstützen. Regulierungen sehen vor, dass der Atommüll mehr als 300 Meter unterhalb der Erde aufbewahrt werden müsste, da die Masse noch Tausende Jahre gefährliche Strahlung abgibt. So müssen auch drei Prüfungen stattfinden, um einen passenden Ort hierfür zu finden, sodass das Leben in der Stadt gut möglich bleibe.

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Doch Wakiyama ist nicht überzeugt. Er befürchtet, dass die Attraktivität von Genkai durch die Errichtung eines Atommüllendlagers sinkt. Die Stadt beherbergt bereits ein Atomkraftwerk, was schon darauf hindeutet, dass es im Ort ansonsten an Industrie und Arbeitskräften mangelt. In der Regel sind es schließlich ökonomisch abgehängte Städte, die mit Subventionen und Zusagen für neue Arbeitsplätze dazu gebracht werden, ein Atomkraftwerk zu akzeptieren. So auch in Genkai.

Nun aber betonen diejenigen im Ort, die darüber hinaus ein Endlager im Ort wollen, dass es durch das Atomkraftwerk bereits ein akutes Problem mit Atommüll gebe, das geklärt werden müsse. Zudem: Schon die Entscheidung, die erste Endlager-Prüfung zuzulassen, würde einer Ortschaft Subventionen von bis zu zwei Milliarden Yen in die Kasse spülen (rund 11,97 Millionen Euro). Bis jetzt aber hat sich trotzdem keine Ortschaft dazu bereiterklärt, Standort für ein Endlager zu werden. Atomkraft wird auch in Japan kontrovers diskutiert.

Nach Fukushima kippte die Stimmung, aber nur kurz

Besonders heikel ist die Sache im vergangenen Jahrzehnt geworden. Im Jahr 2011 hatte der Anteil der Atomkraft am im Land verbrauchten Strom bei rund 30 Prozent gelegen, ehe dann im März ein Tsunami und ein Erdbeben den Nordosten des Landes erschütterten. Drei der sechs Reaktoren im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi havarierten, Hunderttausende verloren durch ausgetretene Strahlung ihr Zuhause oder verließen aus Angst davor die Heimat auf eigene Faust.

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Nach der Katastrophe wurden zunächst alle der gut 50 Reaktoren im Land vom Netz genommen, auch ein Atomausstieg wurde erwogen. Doch zwei Jahr später, als nach einer kurzen Regentschaft der liberalen Demokratischen Partei wieder die konservative Liberaldemokratische Partei an die Macht gekommen war, wurde der verstärkte Wiedereinstieg in die Atomkraft forciert. 2014 erklärte der damalige Premierminister Shinzo Abe die Atomkraft zu einer unverzichtbaren Grundenergiequelle.

Mittlerweile sind unter strengeren Regulierungen wieder mehrere Reaktoren am Netz. Die Mehrheit der Japanerinnen und Japaner blieb skeptisch. Die Atomkraft gilt als Gefahrenherd– zumal in einem häufig von Naturkatastrophen betroffenen Land. Diese Stimmung hat sich mit dem AngriffskriegRusslands auf die Ukraine leicht geändert. Durch gestiegene Gaspreise gilt die Atomkraft als billige Stromquelle, was die Regierung unermüdlich betont.

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Würde Genkai nun tatsächlich zum dauerhaften Endlager für Atommüll werden, wäre es für die Nationalregierung in Tokio ein Triumph. Denn auf die weltweit kaum geklärte Frage, wie man mit dem durch Atomkraftwerke verursachten Strahlungsabfall umgehen könnte, hätte sie dann eine Antwort parat. So wäre die Errichtung eines Endlagers in Genkai auch für andere Länder, in denen ein Endlager bis heute fehlt, ein Signal: Der Ort könnte zu einem Beispiel werden, wie sich nationale und lokale Politik im Umgang mit Atommüll einigen könnten.

Der Bürgermeister will Bedenkzeit

Wobei eine Einigung noch nicht da ist. Denn gegen den Plan ist nicht nur der Bürgermeister von Genkai – der offensichtlich nicht als der Mann in die Geschichte eingehen will, der seinem Heimatort eine auf Jahrtausende glühende Müllhalde verschafft hat. Auch der Gouverneur der Präfektur Saga, in der sich die Stadt Genkai befindet, müsste dem Vorhaben zustimmen, um zu einer Prüfung auf zweiter Ebene überzugehen. Auch er hat sich bisher dagegen positioniert. Ob er sich durch den Druck der Bevölkerung anders entscheidet, ist offen.

Genkais Bürgermeister Wakiyama hat jedenfalls um weitere Bedenkzeit bis Ende des Monats gebeten. Die Initiative könne er bei so einem existenziellen Thema nicht übernehmen. Andererseits: Das ist durch die Petition, die von seiner Stadtversammlung angenommen wurde, längst geschehen.

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