Strengere Zuwanderungsregeln für Studenten – Jetzt geht die Industrie auf die Barrikaden

Mit dem Austritt aus der EU hat Großbritannien eigene strikte Einwanderungsregeln eingeführt. Nun will die Regierung ausländischen Studenten nach dem Abschluss das Arbeitsvisum streichen. Dagegen wehrt sich die Industrie. Denn die Folgen gingen weit über die Universitäten hinaus.

strengere zuwanderungsregeln für studenten – jetzt geht die industrie auf die barrikaden

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Eine weitere Verschärfung der Visumsregeln für Studenten nach Großbritannien setzt die Attraktivität des Investitionsstandorts aufs Spiel, warnen internationale Konzerne und britische Unternehmen den britischen Premierminister Rishi Sunak. Die rückläufigen Bewerberzahlen von Studieninteressenten aus dem Ausland als Folge von strengen Regeln der vergangenen Monate „untergraben die positive Wirkung, die internationale Studenten auf Kompetenzen, die künftige Belegschaft und den internationalen Einfluss haben“, schreiben Industriebosse in einem Brief an Sunak, aus dem die „Financial Times“ zitiert.

Weiter heißt es: „Wir haben uns wegen des Nachwuchses, der Kompetenzen und der innovativen Ideen im Land dafür entschieden, in Großbritannien zu investieren.“ Um im internationalen Wettbewerb zu bestehen und eine widerstandsfähige Wirtschaft zu schaffen, sei die Regierung in der Pflicht, die richtigen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Universitäten erfolgreich sind und ihre internationale Vorreiterrolle behalten. „Wir sehen frühe, aber deutliche Warnsignale, dass diese Position in Gefahr ist.“

Ganz unterschiedliche Branchen gehören zu den Unterzeichnern. Carl Ennis, Geschäftsführer von Siemens in Großbritannien und Irland, ist dabei, Christine Hodgson, Verwaltungsratschefin des Wasserversorgers Severn Trent, und Stuart Chambers vom Bergbaukonzern Anglo American. Auch die Energieversorger EDF und Neptune, Thales, ein Elektronikspezialist für Luftfahrt und Verteidigung, und das Bergbauunternehmen Rio Tinto haben sich dem Aufruf angeschlossen.

Hintergrund des Warnrufes aus der Industrie sind die Anstrengungen, die die britische Regierung seit Monaten unternimmt, um die legale Zuwanderung ins Land zu begrenzen. Mit dem Austritt aus der Europäischen Union hat das Land sein eigenes Zuwanderungsregime eingeführt.

Es legt Mindestgehälter für Beschäftigte aus dem Ausland fest und Industriebereiche, die angesichts fehlender Bewerber im Inland bevorzugt auf internationale Bewerber zurückgreifen dürfen. Die Nettozuwanderung hat sich indes in dem Zeitraum mehr als verdoppelt, auf 672.000 Migranten in den zwölf Monaten bis Mitte vergangenen Jahres. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor.

Studenten machen einen erheblichen Anteil der Zuwanderer aus. Von den 1,2 Millionen Menschen, die im vergangenen Jahr ins Land gekommen sind, kamen 39 Prozent, um ein Uni-Studium aufzunehmen oder einen Studenten als Angehörige zu begleiten. Diese Gruppe hatte die konservative Regierung besonders im Blick bei ihrem Versuch, die Zahl der Zuwanderer massiv zu begrenzen. Im ersten Schritt hat sie die Möglichkeit weitgehend unterbunden, für die Dauer eines Studiums Ehepartner und Kinder mit ins Land zu bringen.

Nun steht im Raum, auch die sogenannte Graduate Visa Route zu beschneiden – oder ganz abzuschaffen. Mit dieser Aufenthaltserlaubnis können Absolventen einer britischen Uni im Anschluss an die letzten Prüfungen für zwei Jahre für eine Beschäftigung im Land bleiben.

Anfang des Monats hatten bereits zahlreiche Handelskammern vor einem solchen Schritt gewarnt, angesichts der befürchteten Auswirkungen auf die Forschungsqualität im Land. Auch Creative UK, der Branchenverband für kreative Industrien wie Film, Musik oder Mode, hat einen entsprechenden Aufruf verfasst. Die britischen Universitäten würden eine entscheidende Rolle spielen, um die besten kreativen Talente aus aller Welt ins Land zu holen. Das stärke nicht nur die britische Soft-Power; viele würden bleiben, Unternehmen gründen und einen erheblichen Beitrag für die Wirtschaft leisten.

Am Dienstag hatte sich auch das Migration Advisory Committee, ein unabhängiges Beratergremium der Regierung zu Zuwanderungsfragen, dagegen ausgesprochen, die Graduate-Visa-Option zu streichen. Innenminister James Cleverly hatte eine Untersuchung angeordnet, ob diese Regel als Hintertür für die Zuwanderung genutzt würde. Dafür fand das Gremium keine Hinweise.

Die Regierung hält sich aber weiter alle Optionen offen. „Britische Studenten sollten Priorität haben in unserem Ausbildungssystem und an den Universitäten, und Visa für Studenten sollten für Bildung genutzt werden, nicht für Einwanderung“, sagte ein Sprecher des Premierministers. Mit einer Entscheidung, wie es mit dem befristeten Arbeitsvisum nach Studienabschluss weitergehen soll, wird in den kommenden Wochen gerechnet.

Schon jetzt zeigen sich deutliche Auswirkungen der strikteren Visa-Regeln. Neun von zehn Bildungseinrichtungen verzeichnen weniger Bewerbungen für das kommende Studienjahr als im laufenden Jahr, hat eine Umfrage der British Universities’ International Liaison Association unter 75 Hochschulen ergeben.

Laut einer Untersuchung des Hochschulverbandes Universities UK lagen die internationalen Bewerbungen im Januar um 44 Prozent unter denen des Vorjahres. Die fehlende Möglichkeit, Angehörigkeit mitzubringen, spiele dabei genauso eine Rolle wie die Unsicherheit, wie es weitergeht mit der Arbeitserlaubnis nach dem Studienabschluss.

Die Konzerne, die sich gegen die weitere Verschärfung der Regeln aussprechen, fürchten gleich doppelte Folgen. Zum einen reduzieren sich die Möglichkeiten, gute Bewerber zu finden. Seit Jahren herrscht im Land praktisch Vollbeschäftigung. Zusätzlich hat es die Regierung gerade schwieriger gemacht, internationales Personal einzustellen.

Seit Anfang April ist die Mindestgrenze, die ein ausländischer Arbeitnehmer verdienen muss, um sich für ein Visum zu qualifizieren, um fast 50 Prozent auf ein Jahresgehalt von 38.700 Pfund (45.074 Euro) angehoben worden. Die Großbank HSBC und die Beratungsunternehmen Deloitte und KPMG mussten daher laut Medienberichten einer Reihe von Bewerbern, denen sie bereits Job-Angebote gemacht hatten, wieder absagen.

Zum anderen schlägt eine Reduzierung der internationalen Studierenden direkt auf die finanzielle Lage der Universitäten im Land durch. Als „ein außerordentliches wirtschaftliches Eigentor“ bezeichnete Jane Harrington, Vizekanzler der Universität Greenwich und Vorsitzende des Hochschulverbandes University Alliance, das drohende Ende der Graduate Visa Route.

Britische Studenten zahlen 9250 Pfund im Jahr

Laut Migration Advisory Committee würde der Schritt zu einem reduzierten Kursangebot und Einschnitten in der Forschung führen. Zusätzlich bestehe das Risiko, dass einige Universitäten gleich ganz aufgeben müssen. Denn die Unis finanzieren sich zu einem erheblichen Teil über die Gebühren internationaler Studenten.

Im Schnitt entfällt gut ein Fünftel der Finanzierung auf diese Gruppe, für die die Unis die Höhe der Gebühren selbst festlegen können. Britische Studenten zahlen 9250 Pfund im Jahr, die Gebühr wurde seit bald zehn Jahren nicht angehoben. An renommierten Unis können die Sätze für internationale Interessenten mehr als das Dreifache betragen.

Die wirtschaftlichen Folgen reichen deutlich über den Hochschulbereich hinaus. Konsum und Lebenshaltung, Beschäftigung und Steuern spielen eine Rolle. Auf einen jährlichen positiven Beitrag von 37 Milliarden Pfund schätzt die Beratung London Economics den Beitrag von internationalen Studenten im Land.

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