Staaten bestellten 2023 mehr Waffen, Konzerne warten aber noch auf Umsatz

staaten bestellten 2023 mehr waffen, konzerne warten aber noch auf umsatz

A man works at the Marder APC factory line at the Rheinmetall production plant of military equipment for the Bundeswehr, police and Ukraine, in Kassel, Germany, July 25, 2023. REUTERS/Kai Pfaffenbach

Die 100 größten Rüstungskonzerne der Welt haben 2022 trotz des Ukrainekriegs weniger Einnahmen verzeichnet. Sie erwirtschafteten laut einem am Montag vom Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri veröffentlichten Bericht 597 Milliarden Dollar (543 Milliarden Euro) und damit 3,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig haben die Firmen jedoch deutlich mehr Aufträge akquiriert. Sipri rechnet deshalb für die kommenden Jahre mit beträchtlich höheren Einnahmen.

Sipri erklärte die Entwicklung mit Kapazitätsengpässen vor allem in den USA und den Folgewirkungen der Corona-Pandemie. In vielen Firmen habe es Arbeitskräftemängel gegeben, die fehlenden Mitarbeitenden, aber auch die fehlenden Auftragseingänge während Corona hätten sich noch nicht ausreichend aufholen lassen. Dass sich das in der Rüstungsindustrie besonders bemerkbar macht, hat auch damit zu tun, dass sich diese Branche relativ schwierig schnell wieder hochfahren lässt, wenn Maschinen einige Zeit stillgestanden oder für andere Zwecke genutzt worden sind.

Die 2022 eingegangenen Aufträge würden sich wohl erst in zwei bis drei Jahren in den Bilanzen der Unternehmen niederschlagen, sagte Sipri-Forscher Nan Tian. Die Waffenverkäufe an die Ukraine hätten zwar durchaus deutlich zugenommen, allerdings habe es sich dabei 2023 vor allem noch um Produktion aus dem Vorjahr gehandelt und um Waffen, die noch in den Altbeständen von Firmen, aber vor allem auch in den Lagern jener Staaten gelegen seien, die Kiew mit Material versorgen.

Besondere Langsamkeit attestiert der Bericht laut einer Analyse der deutschen “Tagesschau” den europäischen Unternehmen, was auch daran liege, dass auf dem Kontinent viele komplexe Systeme hergestellt würden. Diese brauchten in der Produktion besonders viel Zeit, auch Entwicklung und Design seien in diesem Fall zu beachten. Darüber hinaus waren europäische Staaten auch nach dem Beginn des Ukrainekrieges mit dem Anwerfen der Produktion noch besonders zögerlich. Im Gegenzug habe sich der Profit bei Herstellern aus dem Nahen Osten, die vergleichsweise simple Waffen produzieren, schneller wieder eingestellt.

Am stärksten zu den Einnahmerückgängen trugen Firmen in den USA und Russland bei. US-Unternehmen verzeichneten laut Sipri Einnahmen von zusammen 302 Milliarden Dollar. Das entsprach einen Rückgang von 7,9 Prozent. Russische Firmen hatten einen Rückgang von zwölf Prozent zu verkraften. Die vier deutschen Unternehmen auf der Sipri-Liste meldeten dagegen ein durchschnittliches Plus von 1,1 Prozent und strichen 9,1 Milliarden Dollar ein. Für transeuropäische Unternehmen wie Airbus errechnete Sipri einen Zuwachs von 9,6 Prozent.

Sorgen um die Profitabilität der Waffenproduzenten sind allerdings nicht angebracht, die Weltlage gestaltet sich aus Sicht eines Rüstungsproduzenten sehr positiv. “Ich erwarte, dass sich die Top 100 in den kommenden zwei Jahren wieder gefangen haben und die Verkäufe im Rest des Jahrzehnts deutlich steigen. Es sei denn, Krieg und bewaffnete Konflikte in der Welt und die geopolitischen Spannungen lassen nach”, zitiert die “Tagesschau” den Sipri-Direktor Dan Smith. (APA, red, 4.12.2023)

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