Mehrheit junger Menschen fühlt sich von Schule schlecht aufs Berufsleben vorbereitet

Pessimistisch bewerten 14- bis 21-Jährige hierzulande die Aussichten auf eine chancengerechte Bildung, zeigt eine Forsa-Umfrage – nicht einmal ein Drittel sieht diese gewährleistet. Und nur eine Minderheit findet, dass die Schule Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt, die im Beruf wichtig sind.

mehrheit junger menschen fühlt sich von schule schlecht aufs berufsleben vorbereitet

Die Schule ist für Jugendliche der wichtigste Sozialisationsort. Sie schließen dort Freundschaften und erhalten im besten Fall eine solide Allgemeinbildung. Doch als eine Institution, die sie auf das Berufsleben vorbereitet, wird die Schule von der Mehrzahl der Jugendlichen nicht erlebt.

Nur knapp ein Drittel von ihnen ist der Meinung, dass es der Schule gut oder sehr gut gelingt, die für eine berufliche Zukunft relevanten Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln. Der Rest ist pessimistisch: Elf Prozent fühlen sich von der Schule gar nicht und weitere 56 Prozent weniger gut auf den Beruf vorbereitet.

mehrheit junger menschen fühlt sich von schule schlecht aufs berufsleben vorbereitet

Das ergab eine repräsentative Forsa-Umfrage unter 1075 jungen Menschen zwischen 14 und 21 Jahren, die zum Tag der Bildung von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung sowie der Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegeben wurde.

Ausgesprochen pessimistisch bewerten die jungen Menschen auch die Aussichten auf eine chancengerechte Bildung. Nur 32 Prozent aller befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind der Meinung, dass alle Kinder in Deutschland unabhängig von ihrer sozialen und kulturellen Herkunft im Großen und Ganzen die gleichen Chancen auf gute Bildung haben. Für die Mehrheit von 64 Prozent ist das nicht der Fall. Je älter die Befragten, desto pessimistischer urteilen sie in diesem Punkt.

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Der Glaube an die Chancengerechtigkeit im Bildungssystem ist in den vergangenen fünf Jahren erodiert. Im Jahr 2018 waren immerhin noch 51 Prozent der Meinung, dass das deutsche Schulsystem Bildungsgerechtigkeit garantiert. Seitdem ist der Wert stetig gesunken – und die Mehrheit glaubt auch nicht, dass sich in den nächsten zehn Jahren etwas daran ändert. „Viele junge Menschen erkennen genau, dass wir im Bildungsbereich ein Gerechtigkeitsproblem haben. Mit Blick auf faire Chancen einerseits und den Arbeits- und Fachkräftemangel andererseits muss unsere Gesellschaft alles dafür tun, wirklich jedem jungen Menschen die Chance auf einen Schul- und Berufsabschluss zu geben“, sagte Andreas Knoke von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung.

Folgerichtig gaben 57 Prozent der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu Protokoll, dass Schüler mehr Unterstützung brauchen, damit sie ihren angestrebten Abschluss erreichen. Dem Großteil der jungen Menschen ist durchaus bewusst, wie wichtig eine gute Ausbildung für ihre berufliche Zukunft ist: Die Hälfte der befragten Jugendlichen erwartet, dass die Bedeutung einer abgeschlossenen Ausbildung oder eines abgeschlossenen Studiums in den nächsten zehn Jahren sogar noch zunehmen wird; nur 16 Prozent schätzen, dass eine abgeschlossene Ausbildung künftig eher unwichtiger wird.

„Viele junge Menschen können gut einschätzen, welche Anforderungen die Arbeitswelt an sie stellen wird. Gleichzeitig fühlen sie sich angesichts der Fülle an beruflichen Möglichkeiten oft überfordert. Deshalb brauchen wir mehr Angebote für eine enge und individuelle Beratung und Begleitung“, sagte Clemens Wieland, Experte der Bertelsmann Stiftung für berufliche Bildung.

Nicht allen Jugendlichen gelingt es, nach Ende ihrer Schulzeit eine Ausbildung oder ein Studium erfolgreich zu absolvieren. So war laut Berufsbildungsbericht 2021 mehr als jeder Dritte der 20- bis 34-Jährigen mit Hauptschulabschluss ohne eine berufliche Qualifikation. Bei denjenigen ohne Schulabschluss waren es fast 75 Prozent.

Ein Scheitern am Übergang von der Schule in den Beruf könne zum Teil dramatische Konsequenzen haben, heißt es in der Studie. „Bei einem fehlenden Berufsabschluss etwa ist das Risiko, im Laufe des Lebens arbeitslos zu werden, sechsmal so hoch. Hinzu kommen ökonomische und gesellschaftliche Folgekosten.“

Auch Freunde gelten als wichtig für die Bildung

Grundsätzlich haben die meisten jungen Menschen aber eine optimistische Grundhaltung. Die große Mehrheit der befragten Jugendlichen blickt positiv (34 Prozent) oder eher positiv (54 Prozent) in die eigene berufliche Zukunft, nur jeder zehnte negativ oder eher negativ. Gegenüber dem Vorjahr gab es hier keine Veränderungen.

Den wichtigsten Einfluss auf die Bildungschancen haben nach Ansicht der Jugendlichen die Qualität der Schule und der Lehrkräfte (94 Prozent), die Zuwendung und Unterstützung der Eltern (93 Prozent) sowie die eigene Motivation (87 Prozent).

Aber auch der Einfluss des Freundeskreises ist ein nicht zu unterschätzender Faktor: 79 Prozent glauben, dass die eigenen Freunde einen großen oder sehr großen Einfluss auf ihre Bildungschancen haben – mehr noch als die Bildung der Eltern (69 Prozent) oder der kulturelle Hintergrund des Elternhauses (51 Prozent).

Überraschend ist auch, welche Fähigkeiten nach Ansicht der jungen Menschen am wichtigsten sind, um im Beruf zu reüssieren. Nahezu alle Befragten meinen, dass Selbstorganisation (98 Prozent) sowie Höflichkeit und Toleranz gegenüber anderen Menschen (97 Prozent) für ihre berufliche Zukunft wichtig oder sehr wichtig sein werden. Erst dann folgen Kenntnisse der deutschen Sprache (92 Prozent), Fremdsprachen (84 Prozent) und Expertise in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, kurz MINT (80 Prozent).

Geschichte (66 Prozent) sowie Programmier- und Software-Kenntnisse (57 Prozent) rangieren eher im Mittelfeld. Kulturelle Bildung halten die Jugendlichen hingegen für eher irrelevant. Nur 25 Prozent glauben, dass Kenntnisse in Kunst, Musik und Literatur eine größere Bedeutung für ihre berufliche Zukunft haben.

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