Familienvater spurlos verschwunden: „Ungewissheit ist der Horror“

„Wie kann ein Mensch binnen zehn Minuten plötzlich wie vom Erdboden verschluckt sein?“. Dominic Pölzl-Huemer und seine Lebensgefährtin Nicole Straka stehen vor jener Villa auf der Insel Krk, wo im Juni des Vorjahres der Albtraum für die Familie aus Wien begann. Jetzt, acht Monate später, sind sie erneut nach Kroatien zurückgekehrt – um endlich eine Antwort zu finden. „Diese Ungewissheit ist der Horror“, sagt der 32-Jährige. Sein Vater Roland Pölzl-Huemer gilt seit 19. Juni 2023 als vermisst. Der an Demenz erkrankte Mann verschwand im Urlaub spurlos.

Pölzl-Huemer und Straka starten ihre Suche in Kras; ein kleines Dorf, das in der Mitte der Insel liegt. Bis zum Meer sind es ungefähr sieben Kilometer. „Paradise City“ steht in geschwungenen Lettern auf dem kleinen Nebengebäude des blassgelben Hauses. Rundherum keine Menschenseele, die Fensterläden sind geschlossen. Die Stille wird nur vom Läuten der Kirchenglocken durchbrochen. „Im Sommer ist hier mehr los“, sagt der 32-Jährige. Der Urlaub auf Krk im Vorjahr sei ein Geburtstagsgeschenk an seine Oma gewesen. Das Haus hatte man von einer Bekannten gemietet. Für seine Eltern, die zu diesem Zeitpunkt auch ihren Hochzeitstag feierten, war es der erste Kroatien-Urlaub. Sieben Familienmitglieder waren im Juni angereist, Dominic und seine Schwester Denise (36) waren nicht mit von der Partie. Kurz nach der Ankunft passierte es. Ein Teil der Familie fuhr noch einmal weg, um Besorgungen zu machen. Zwei Familienmitglieder blieben mit dem damals 61-Jährigen zurück. Er musste kurz ins Bad, wollte sich danach umziehen. Pölzl-Huemer: „Der Papa war nur wenige Minuten alleine. Im Zimmer blieben nur seine Socken zurück.“ Zehn Minuten, die alles verändert haben.

Wasserlöcher im Visier

Noch einmal wollen der Sohn und seine Lebensgefährtin jetzt das Dickicht und Gestrüpp rund um die Villa „Paradise City“ durchforsten. „Im Sommer ist das wie eine grüne Wand. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da jemand freiwillig hineingeht“, sagt Straka. Schon unmittelbar nach dem Verschwinden wurde eine große Suchaktion gestartet, an der auch Bergrettung und Feuerwehr beteiligt waren. Suchhunde und Drohnen kamen zum Einsatz. Nicht die kleinste Spur. An diesem Tag will Dominic Pölzl-Huemer einige der zahlreichen Wasserlöcher, die es auf der Insel gibt, mit einer kleinen Kamera absuchen. Diese hat ihm ein Arbeitskollege geborgt, der einen Fischteich besitzt. Gleich neben der Unterkunft befinden sich zwei kleinere Wasserlöcher, die größeren werden von Hirten auf der Insel als Viehtränke benutzt. Viel kann man auf den Unterwasseraufnahmen nicht erkennen. „Der Papa trug zum Zeitpunkt seines Verschwindens ein rotes Leiberl. Das müsste man sehen“, sagt der 32-Jährige. Doch auch diese Suche bleibt ergebnislos: „Es ist so frustrierend. Der Papa war immer ein ehrlicher Mensch. Das hat er und das haben wir nicht verdient. Vor allem für die Mama ist es sehr schwer.“

Mit dem Auto geht es weiter ans Meer, zuerst nach Njivice und danach in das Küstenstädtchen Malinska. Die Fahrt dauert etwa zehn Minuten. Etwas oberhalb des Campingplatzes in Njivice soll Roland Pölzl-Huemer einen Tag nach seinem Verschwinden gesehen worden sein. In unmittelbarer Nähe befinden sich ein Hochsitz und ein verlassenes Häuschen. Noch einmal schaut Dominic Pölzl-Huemer auch dort nach; wie schon mehrmals in den vergangenen Monaten. Zuletzt war er im Oktober hier, als Familie und Freunde mit Unterstützung der örtlichen Jäger die Insel durchkämmten. Auch dieses Mal: wieder nichts. Man hat das Gefühl, der 32-Jährige und seine Partnerin wissen langsam nicht mehr, wo sie noch suchen sollen. In Malinska wollen sie sich an diesem Tag mit einem Obdachlosen treffen. Auch er glaubt, Roland Pölzl-Huemer im Juni gesehen zu haben. Treffpunkt ist das ehemalige Haludovo-Resort im beschaulichen Urlaubsort an der Adria. Von dem Luxushotel, das Anfang der 1970er-Jahre eröffnet wurde, sind heute nur noch Ruinen übrig. Die Mauern verziert mit Graffitis, überall Müll und Gestrüpp. Und da taucht er auch schon auf, der „Toni“, wie er sich nennt. Er ist sich ganz sicher, den Vermissten damals gesehen zu haben. Der Toni spricht gut Deutsch. Er erzählt, dass er lange Zeit in Deutschland gelebt habe. Jetzt wohnt er in den Wäldern von Krk. Schon nach wenigen Minuten steht fest: Eine wirkliche Hilfe bei der Suche nach Roland Pölzl-Huemer ist auch er nicht.

„Hoffnung stirbt zuletzt“

Mittlerweile hat es recht kräftig zu regnen begonnen. Der nächste Sommer, er ist an diesem Februar-Tag auf der kroatischen Urlaubsinsel noch in weiter Ferne. Dominic Pölzl-Huemer und Nicole Straka wollen entlang der fast menschenleeren Promenade weitere Flyer mit dem Foto des Vaters aufhängen. 1200 Stück waren es in den vergangenen acht Monaten. Den Einheimischen ist das nicht entgangen. Viele wissen über das Schicksal der Familie aus Österreich Bescheid. „Sie nennen meinen Papa ,Rolando‘“, erzählt der 32-Jährige. Er weiß nicht, wie es jetzt weitergeht. Es wird vermutlich die letzte Suche auf der Insel Krk gewesen sein: „Wir haben alles getan, was man nur tun kann.“ In den nächsten Tagen will er mit seiner Lebensgefährtin noch Obdachloseneinrichtungen in Rijeka und Zagreb anfahren. Auch wenn über die Wintermonate die Hoffnung, den Vater doch noch lebend zu finden, mit jedem Tag geschwunden ist: „Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir wollen endlich Gewissheit haben.“

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