Bundesliga: Die Fan-Proteste nerven? Gut so!

bundesliga: die fan-proteste nerven? gut so!

Lage der Liga: Mehr Tennisbälle als Fußbälle im Spiel (Symbolbild aus Stuttgart)

Die Fanproteste gegen den DFL-Investoreneinstieg gingen am Wochenende weiter. In mehreren Bundesliga-Stadien waren die Spiele teils minutenlang unterbrochen. Schon jetzt ist die Empörung groß. Doch der Protest müsste eigentlich noch größer werden.

Am Wochenende das mittlerweile gewohnte Bild: Hunderte Tennisbälle, Flummis oder auch Kamelle (Karneval!) lagen auf dem Rasen der Bundesligastadien. “Nein zu Investoren in der DFL” war die klare Message auf den Transparenten in den Fankurven. Die Spiele: teilweise länger als 20 Minuten unterbrochen. Die Partie Union Berlin gegen den VfL Wolfsburg stand gar kurz vor dem Spielabbruch wie auch in der Woche bereits die Partie Hertha BSC gegen den Hamburger SV, weil auch nach über einer halben Stunde noch immer Gegenstände aufs Spielfeld flogen. Ist das wirklich die richtige Form des Protests? Muss das sein?

Die Antwort ist: Ja! Eigentlich muss es sogar noch drastischer werden!

Fan-Proteste in der Bundesliga: Nur wenn sie nerven, können sie etwas bringen

Viele Vereinsverantwortliche, Experten und auch “normale” Fans haben am Wochenende wieder genervt die Augen verdreht. “Protest ja, aber doch bitte nicht so”, war der Tenor. Wenn nicht so, wie denn dann? Egal ob bei den Unterbrechungen in der Bundesliga, bei Streiks der GDL oder des Flughafenpersonals: Demonstrationen und Proteste werden solange gutgeheißen, bis sie tatsächlich Auswirkungen auf das eigene Leben haben. Dann heißt es schnell, es müssten andere Wege gefunden werden, um seine Meinung kundzutun.

Mit anderen Worten: Protestiert gerne, ist ja euer gutes Recht – Demokratie und so weiter. Aber doch bitte im Rahmen der gewohnten Abläufen und so, dass es niemanden stört.

Wer so argumentiert, hat das Prinzip Protest nicht verstanden. Nur wenn Proteste nerven, können sie etwas bringen. Dementsprechend müssten die Störaktionen eigentlich noch größer werden – solange bis die DFL die Kurven endlich ernst nimmt.

Aber was soll das Ganze mit den Tennisbällen, den Sprechchören und den Bannern in den Stadien überhaupt? Die DFL-Mitglieder haben dafür gestimmt, zusätzliches Geld in die Liga zu holen und sie damit noch attraktiver zu machen. Ist doch super, oder? Ganz so einfach ist es leider nicht. Denn die Proteste richten sich mittlerweile nicht mehr nur gegen Fremdkapital, das über einen Investor in das “Produkt” Bundesliga fließen soll, sie richten sich auch gegen die Abgehobenheit der Führungsetagen in den Vereinen, gegen Intransparenz und das nicht bestehende Mitspracherecht der Fans.

Was auf den Stehplätzen hängen bleibt, ist: “Ihr Fans seid uns egal”

Der Vorgang rund um den Investoreneinstieg kann jeden Fußballfan, ja eigentlich sogar jeden Demokraten, nur auf die Palme bringen. Denn was von diesem unsäglichen Theater übrig geblieben ist, ist folgender Eindruck: Ein paar reiche Liga-Bonzen wollten frisches Geld in die Liga pumpen, um noch mehr zu verdienen. Eine Abstimmung wurde angesetzt (die ebenfalls schon von Protesten begleitet war). Die Vereine stimmten gegen einen Investor. Die Fankurve war befriedet. Nur um dann einfach eine zweite Abstimmung anzusetzen, die zu einem positiven Ausgang führte.

Was auf den Stehplätzen also hängen bleibt ist: “Ihr Fans seid uns egal, eure Gründe gegen den Investor sind uns egal und wenn die Abstimmung nicht so läuft, wie wir uns das vorstellen, dann wählen wir eben solange, bis es uns passt.” Der Fußball gehört den Fans – solange sie das aktuelle Trikot kaufen, eine Dauerkarte lösen und mit schönen Choreografien das “Produkt” Bundesliga besser machen. Bei wirklich wichtigen Themen hat das gemeine Fußvolk aber bitte still zu sein.

Solange dieser Eindruck nicht von Seiten der DFL aufgelöst werden kann, wird es auch keine Einigung geben. Dabei sollten sich Verantwortlichen ab und zu vergegenwärtigen, wen sie da gerade gegen sich aufbringen. Die Fans sind der Ast, auf dem dieser Sport sitzt. Ohne die Stimmung, die Choreos, den Support der einfachen Leute ist die Bundesliga eine trostlose Veranstaltung. Daran würde auch eine Milliardenspritze eines Investors nichts ändern. Vielleicht sollten die DFL-Verantwortlichen mal wieder ein Fußballspiel besuchen, wie es 99 Prozent der Fans tun: Nicht in der VIP-Loge, sondern auf einem einfachen Platz im Stadion, bei Regen, Zugwind, Bier und Bratwurst und mit normalen Leuten um sich herum.

Vielleicht würden sie dann verstehen, worum es den Fans beim Stadionbesuch wirklich geht. Vielleicht würden sie verstehen, warum die Fans nicht möchten, dass aus ihrem Stadion ein “Konsumtempel” wird, in dem es nur darum geht, immer mehr Geld zu machen. Vielleicht würden sie verstehen, dass insbesondere die aktive Fan-Szene klare Prinzipien vertritt und warum sie kein Geld eines Private Equity Fonds will, das aus Saudi-Arabien kommt. Vielleicht würde bei manchen die Erkenntnis reifen: Man beißt nicht die Hand, die einen füttert. Doch solange es nicht soweit ist, bleibt der Kurve eben nur der Griff zum Tennisball.

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